Wir als die Nachfahren der Krieger, die vor 2000 Jahren
Varus besiegten, durften uns nicht entgehen lassen, was die moderne Forschung
über uns herausgefunden hat!
Wir erlebten eine tolle Ausstellung mit einem schlechten Führer – er wollte,
dass wir mitschrieben, statt uns auf die Exponate schauen zu lassen, und statt
uns ihre Eigenart zu erläutern, erschlug er uns mit historischen Fakten. Er
fragte uns Dinge ab, die wir doch von ihm erfahren sollten, und zeigte sich
irritiert, wenn wir auch mal was wussten (betr. Kalkriese war er durchaus nicht
auf dem neuesten Stand).
Dabei hatten die Museumskuratoren wirklich eine großartige Sammlung an Gold,
Silber, Waffen, Schmuck und Grabbeigaben zusammengeholt, was in Germanien
gefunden und Zeugnis von dem Anpassungseifer seiner Oberschicht an die römische
Zivilisation gab – sogar einige Gefäße aus dem Hildesheimer Silberschatz, die
wir aus unserer Lektüreausgabe kannten, entdeckten wir wieder.
Römer und Germanen hätten sich trotz vieler Reibereien auf die Dauer wohl
assimiliert – den Todesstoß gab Rom jedoch die Invasion der Hunnen, die der
römische Feldherr Aetius zwar 451 in der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern
stoppen konnte, aber das Imperium war durch diesen Kraftakt so geschwächt, dass
es an den übrigen Fronten zusammenbrach. Das weströmische Reich löste sich in
eine Reihe von Königtümern auf, aus denen schließlich, 150 Jahre später, die
Franken unter den Merowingern diejenigen waren, die eine neue große
Reichsstruktur errichten konnten. Dabei integrierte Chlodwig, ihr König, die
romanischen Volksteile mit seiner Bekehrung zu ihrem katholischen Glauben. So
entstand eine neue, die mittelalterliche Kultur, unter germanischem Vorzeichen,
aber in ständiger Anlehnung an Rom, seine Kirche und seine großen Vorbilder.
Bonn mit seinem Weihnachtsmarkt gab uns eine anschauliche Fortsetzung der
Ausstellung: das mittelalterliche Stadtbild wurde mit den vielen Holzbuden, die
sich um das Münster drängten, und der Menschenmenge darum herum wieder lebendig!
Dabei ist „Bonna“ ursprünglich ein römisches Legionslager, noch heute gibt der
Stadtplan mit seiner typischen Struktur der Altstadt Zeugnis davon.
Abends ließen wir die Begegnung von Römern und Barbaren in fröhlicher Form vor
uns wieder erstehen: eine Modenschau, ein Architekturwettbewerb mit Bauklötzen,
bei dem die „Vandalen“ gleich wieder alles zerstörten, Geschichten, die wir zu
ausgewählten Artefakten der Ausstellung gedichtet hatten, und der neueste
barbaro - romanische Modetanz. (Ec)
Erstellt am 1.12.2008