Ausgezeichnet mit dem
2. Preis beim Wettbewerb "Unterricht innovativ 2008"

 

Projekt: Jahrgangsübergreifender Literaturunterricht
Preisträger: Schülerteam um Dr. Annegret Lösener, Gymnasium Lohne in Niedersachen
 

Die „Kleinen“ und die „Großen“ - gemeinsam mit „Krabat“ in der schwarzen Mühle
 
Im normalen Schulalltag haben 18-jährige Abiturienten und zwölfjährige Schülerinnen und Schüler nicht viel miteinander zu tun, sie laufen sich vielleicht auf dem Schulhof über den Weg oder es gibt vereinzelt Kontakt in schulischen AGs. Die Vorteile der Schule als Ort, in dem verschiedensten Altersgruppen unter einem Dach miteinander arbeiten können, hat Dr. Annegret Lösener vom Gymnasium Lohne in Niedersachen ganz bewusst in ihrem Projekt „Jahrgangsübergreifender Literaturunterricht“ genutzt. Die Anonymität zwischen den Klassenstufen wurde aufgebrochen, eine Vernetzung fand statt.
 
Eine sechste Klasse und ein Grundkurs Deutsch der 13. Klasse liest Otfried Preußlers Jugendbuchklassiker „Krabat“. Das Buch bietet vielfältige Herangehensweisen und Lese-Ebenen für verschiedene Altersgruppen. Die Jüngeren führen ein Lese-Tagebuch über ihre Eindrücke, die Älteren lesen das Buch mit der Aufgabe, sich zu überlegen, wie bestimmte Aspekte des Buches im Unterstufenunterricht vermittelt werden können, also eine Lese-Sicht aus der Perspektive des Unterrichtenden. Nachdem der erste Kontakt zwischen den beiden Gruppen über Briefe begonnen hat, finden mehrere Unterrichtseinheiten mit beiden Altersstufen in gemischten Gruppen statt.
 
Dazu haben die Abiturienten die Möglichkeit, eine Unterrichtsstunde in der 6. Klasse zu halten: zu Themen wie „Das Motiv der Mühle in Volksliedern und Sprichworten“ oder „Zauberei und Magie“. Dies schließt intensive Vor- und Nachbereitung mit den Lehrkräften mit ein, und die Schülerinnen und Schüler bekommen so einen Einblick in den Beruf des Lehrers. Die Unterstufenschülerinnen und -schüler hospitieren in kleinen Gruppen im Oberstufen-Deutschunterricht und finden das sehr spannend – und ermutigend, weil längst nicht alles so abstrakt und unverständlich ist, wie sie im Vorhinein teilweise gefürchtet haben. Sie merken, dass ihre eigenen Gedanken zum Buch durchaus mit denen der Oberstufenschüler mithalten können.
 
Die beiden Altersstufen bereichern sich gegenseitig durch ihre Herangehensweise. Wichtig für ein solches Projekt ist natürlich die Wahl der richtigen Lektüre, die für beide Jahrgänge geeignet sein muss. Dr. Annegret Lösener und ihre Kollegin Kerstin Sieve entschieden sich für Preußlers „Krabat“, weil es für die Jüngeren einen Sagenstoff mit fantastischen Zügen bietet, anhand dessen sich Motive wie „Freundschaft“, „Verantwortung“ „Gemeinschaft“ behandeln lassen, und weil es für die Älteren die zusätzlichen Ebene erlaubt, das Buch als allegorische Darstellung des Widerstands gegen ein diktatorisches Unterdrückungssystem zu lesen.
 
Auf einer anderen Ebene thematisiert das Buch genau das, was im jahrgangsübergreifenden Literaturunterricht selbst zum Tragen kommt: in einer Gemeinschaft, mit den unterschiedlichen Stärken der Individuen, die sich in eine Projekt einbringen, gelingt es, andere und neue Entdeckungen zu machen und Ziele zu erreichen, als eine Person (oder eine Altersgruppe) allein. Die beiden Klassenstufen feierten den Abschluss ihres Projektes mit einem Mühlenfest, bei dem die „Großen“ für die „Kleinen“ einen Lernparcours organisierten. Beide Klassenstufen äußerten sich begeistert über die Unterrichtseinheit und regten an, dass solch ein jahrgangsübergreifenden Unterricht und entsprechende Aktion schon zu früheren Zeitpunkten (z.B. in der 11. Klasse) stattfinden sollten, so dass die Schülerinnen und Schüler noch mehr von den neu gefundenen Kontakten haben, bevor die Abiturienten die Schule verlassen.
 
 
 
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