Rezension - “Ein Volksfeind“ (Sebastian Eller, Christoph Hönemann)

Beim Theaterbesuch in Oldenburg am 7.1.2011 wurde das Stück „Ein Volksfeind“ von Hendrik Ibsen gezeigt.

Das gesellschaftskritische Drama spielt in einer kleinen norwegischen Stadt und  handelt vom Badearzt Dr. Thomas Stockmann, der am örtlichen Kurbad schwerwiegende Baumängel feststellt. Er ist sich der Unterstützung aus dem Volk sicher und schaltet die Presse ein, um die Bevölkerung auf diesen Missstand hinzuweisen. Sein Bruder, Peter Stockmann, der Bürgermeister des kleinen Städtchens, will die Veröffentlichung jedoch verhindern.

 

 

Er kann Hovstadt, den Redakteur des örtlichen Blättchens „Der Volksbote“, sowie dessen Mitarbeiter Billing und den Buchdrucker Aslaksen davon überzeugen, den Artikel des Badearztes nicht zu veröffentlichen, indem er auf die hohen Kosten und die lange Bauzeit hinweist. Als Thomas Stockmann dies herausfindet, will er eine Volksversammlung einberufen, um seinem Ärger Luft zu machen. Dort wird er jedoch von seinem Bruder so provoziert, dass er in seiner Rede das gesamte Gesellschaftssystem aufs Schärfste kritisiert. Er wird daraufhin zum Volksfeind erklärt, verliert seine Anstellung am Bad und auch seiner Frau und seiner Tochter wird gekündigt. Er denkt über das Auswandern nach, entschließt sich jedoch zu bleiben.
An der Inszenierung im Kleinen Haus des Oldenburger Staatstheaters hat mich besonders überrascht, dass das Drama als Komödie interpretiert wurde. Beim Lesen des Stücks habe ich mir das Geschehen ernster vorgestellt. Die übertriebene Darstellung hat das Ganze jedoch aufgelockert und auch leichter zugänglich gemacht.
Besonders gefallen hat mir die Darstellung des Buchdruckers Aslaksen. Seine übertriebene Vorsichtigkeit und seine piepsige Stimme waren einfach zu komisch.
Weiterhin hat mir die Verlagerung der Volksversammlung in die Vorhalle des Theaters gefallen. Man fühlte sich als Teil des Theaterstücks und durch die Wandlung vom Zuschauer zur Requisite wurden die Handlung und die Atmosphäre auf einzigartige Weise transportiert.
Nicht so gut gelungen war das Kostüm von Morten Kiil, dem Ziehvater von Dr. Thomas Stockmanns Frau. Als Indianer verkleidet wollte er nicht so recht ins Bild passen.
Hendrik Ibsen (1828-1906), der sein Heimatland Norwegen verließ und von 1864 bis 1891 im freiwilligen Exil lebte, wäre mit dieser Inszenierung wahrscheinlich nicht zufrieden gewesen. Er übte harte Gesellschaftskritik und wollte die Zuschauer nicht gerade erheitern.

Dennoch denke ich, dass die Aufführung gelungen war und dass man das Stück weiterempfehlen kann.