Im
Mittelalter glaubte man zunächst an die Jenseitsvorstellungen aus der Bibel von
Matthäus und Johannes. Diese Vorstellungen entwickelten sich mit der Zeit
weiter und wurden zunehmend komplexer (siehe Grafiken
unten).
Da
die Vorstellungen nach dem Tod sehr vom christlichen Glauben geprägt waren,
waren alle Menschen bemüht vor dem Tod noch alle Sünden zu reinigen (diese
konnten zum Beispiel durch Spenden an die Kirche verkürzt werden). Denn man
glaubte daran, dass man im Fegefeuer für seine kleineren Sünden büßen müsse,
um danach gereinigt vor das Jüngste Gericht zu treten. Dort wurden dann die
guten und die schlechten Taten jedes Einzelnen gegeneinander abgewogen. Das
Urteil war streng aber gerecht: Die Guten wurden von Engeln in das himmlische
Paradies geleitet, die Schlechten von Teufeln in die Hölle gezerrt.
Den
Himmel stellte man sich als das heilige Jerusalem vor, in der das Licht Gottes
all den Schmutz und die Erbärmlichkeit, die das Leben in den irdischen Städten
begleitet, weggefegt hat.
Die
Hölle dachte man sich dagegen als unterirdischen Strafort, stinkend eiskalt und
gleichzeitig in Flammen stehend. Teufel und Dämonen quälen die Menschen in
alle Ewigkeit. Gleiches wird mit Gleichen vergolten: Der Schlemmer muss z.B.
hungern und der bestechliche Richter muss glühende Münzen essen.
Am
Jüngsten Tag werden alle Menschen vom Tod auferstehen. Christus als Richter
wird bestimmen, ob die einzelnen Personen in den Himmel kommen oder für immer
in der Hölle braten müssen.

Das Weltgericht nach
Johannes kennt im Gegensatz zu Matthäus neben den Guten und den Bösen noch die
Halbguten. Am Jüngsten Tag müssen nur die Bösen und die Halbguten vor den
Richter, wobei letzteren die Chance bleibt, doch noch in den Himmel zu kommen.
Die Bösen fahren für immer zur Hölle. Die Guten können nach ihrer
Auferstehung ohne Gericht in den Himmel kommen.

Jenseitsvorstellung
mit Fegefeuer
Nach dem Tod findet
das Partikulargericht statt, in dem entschieden wird, ob man als Heiliger direkt
in dem Himmel kommt oder ob man in die Hölle oder zur Buße ins Fegefeuer
kommt. Im Fegefeuer leidet man wie in der Hölle, aber man hat noch die Hoffnung
rein zu werden und in den Himmel zu kommen. Die Kinder, die noch vor ihrer Taufe
sterben, gelangen in den Limbus, einen neutralen Ort, wo sie weder leiden noch
himmlische Freuden erleben.

Jenseitsvorstellung
mit Fegefeuer und Partikulargericht
Wenn man die
Fegefeuerlehre mit der vom Weltgerichtmischt, entsteht ein sogenannter
„Gegenverkehr“. Durch das individuelle Gericht (Partikulargericht) gelangen
alle Seelen ein erstes Mal in den Himmel, bis zur Buße in das Fegefeuer oder in
die Hölle. Am Ende der Welt müssen sie wieder zur Erde zurückkehren, um sich
mit Jesu Christi zu verbinden. Nun richtet Christus die Menschen zum zweiten Mal
und schickt sie für immer wieder dorthin zurück, wo sie eben hergekommen sind,
d.h. in den Himmel oder in die Hölle.

Quelle:
www.hist.net/mikosch/proseminar/sitzungdrei